Unser Lichterfest und die Konfessionen bzw. Religionsgemeinschaften

Gestern hatten wir Lichterfest und Laternenumzug im Kindergarten. Es war wirklich sehr schön, das Wetter war viel zu warm für den November und der Himmel klar. Kein Vergleich zum letzten Jahr, in dem es so regnete, dass sich die glitzernde Einhorn-Laterne des Großen in ihre Einzelbestandteile auflöste. Andere Eltern waren so schlau gewesen, Plastiktüten um die Laternen zu wickeln. Bei batteriebetriebenen Lichtern geht das ja.Laternen

Wir waren beinahe die einzigen, die dem Sohn eine echte Kerze in die Laterne stellten. Klar, er ist auch „schon“ fast 5, aber ich denke, auch die Kleineren können gut damit umgehen. Schlimmstenfalls fängt die Laterne Feuer und sie haben etwas daraus gelernt: dass man mit Feuer vorsichtig umgehen muss, weil es sonst Schaden anrichten kann!Laterne

Während des Laternenfestes freute sich eine andere Mutter, dass auch endlich einmal das St. Martinslied gesungen wird. In unserem konfessionsungebundenen Kindergarten ist es sonst üblich, alles was mit Glauben zu tun hat außen vor zu lassen. So heißt zum Beispiel das, was in anderen Kindergärten „Weihnachtsfeier“ heißt, bei uns „Winterfeier“. Ich finde, das ist ein Bisschen geschummelt, denn letztlich ist es dasselbe, nur mit einem anderen Namen und ohne dass die Weihnachtsgeschichte thematisiert wird. Moslems oder Buddhisten etwa würden keine Feier dieser Art machen, letztlich ist all das christlich geprägt. Das ist ja auch nicht schlimm, wir leben in einem stark christlich geprägten Land. Nur habe ich mich gefragt, ob das Ziel nicht sein müsste, alle Glaubensrichtungen gleichermaßen einzubinden, statt alle auszuschließen. Das würde heißen, dass man den Kindern verschiedene Formen des Glaubens nahe bringt, so dass sie einander besser verstehen und sich gegebenenfalls verstärkt für einen anderen Glauben interessieren können, als den, den sie bereits kennen. Wäre das nicht eine schöne Möglichkeit für mehr Toleranz?Lampionfrucht

Noch in der Schule wissen christlich geprägte Kinder kaum, was Ramadan bedeutet und sind sehr beeindruckt, wenn sie hören, dass ihre MitschülerInnen es schaffen, den ganzen Tag nichts zu essen. Und diese sind stolz, den anderen Kindern und Jugendlichen davon berichten zu können. Warum fängt man nicht bereits im Kindergarten damit an, und thematisiert nicht nur die christlich geprägten besonderen Tage und Zeiten im Jahr, wie eben Weihnachten und Ostern, sondern eben auch Ramadan, Zuckerfest, Vesakh, Losar, Channukka, Pessach etc. Sicherlich kommen dann eine Menge Termine zusammen, man könnte jedoch diejenigen auswählen, die für die Kinder am wichtigsten sind. Schön wäre auch, wenn beispielsweise Eltern mit eingebunden würden und im Kindergarten zeigten, wie sie ihre Religion leben. Dazu könnte auch Essen und Schmuck, Vorlesen und Singen gehören. So würden die Kinder ganz spielerisch an unterschiedliche Formen des Glaubens herangeführt, die Grundlagen zu mehr Toleranz würden geschaffen und die Familien mit unterschiedlichen Glaubensformen fühlten sich ernst genommen.

Was haltet Ihr davon?Stockbrot

 

Weiterführende Links:

Beim Integrationsbeauftragten Bayern kann man einen Kalender downloaden und als Poster ausdrucken. Auf diesem sind beispielsweise islamische, jüdische, hinduistische, buddhistische und christliche Feiertage, Feste und Ähnliches aufgeführt.

Beim Newsroom Weltreligionen gibt es einen Kreativwettbewerb zum Thema Weltreligionen.

Auf Religionen entdecken gibt es eine kindgerechte Übersicht über Feste und wichtige Zeiten von verschiedenen Religionen. Auch die recht junge Bahai-Religion ist vertreten.

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