Würdevolles Schlagen gibt es nicht!

Papst Franziskus gibt Erziehungsratschläge. Überwiegend klingen diese sogar sehr schön, was mich zugegebenermaßen überraschte. Auf der Generalaudienz am 4.2.2015 sagte er, Väter

sollen dabei sein, wenn ihre Kinder aufwachsen: wenn sie spielen, wenn sie sich anstrengen, wenn sie unbekümmert sind oder verängstigt, wenn sie sprechen, wenn sie schweigsam sind, wenn sie sich etwas trauen und wenn sie sich fürchten, wenn sie sich irren und auch wenn sie wieder auf ihren Weg zurückfinden. Präsent sein heißt hier nicht Kontrolleur sein. Zu viel Kontrolle bedeutet, die Kinder nicht wachsen zu lassen.

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Doch dass er dann von folgendem Erlebnis berichtet, um den würdevollen Umgang mit Kindern darzustellen, ist schockierend:

Einmal habe ich einen Vater bei einem Treffen mit Ehepaaren sagen hören: ‚Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen‘ […] Er weiß um den Sinn der Würde. Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht und geht dann weiter.

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Das Oberhaupt der katholischen Kirche, was im Vergleich zu seinen Vorgängern als etwas zeitgemäßer aufgefallen war, gibt nun eine solche Äußerung von sich!

Ich frage mich, wie viele Eltern nun wohl aufgrund dieser Äußerung anfangen, ihre Kinder zu schlagen?! Wieviele Eltern sich nun in ihrem grausamen Handeln bestätigt fühlen? Ein Mann mit einer solchen Macht sollte sorgsamer über seine Äußerungen nachdenken. Doch angemessene und annähernd zeitgemäße Äußerungen waren meiner Meinung nach nie die Stärke der verschiedenen Päpste.

Würdevolles Schlagen gibt es nicht!

Ob ein Kind nun ins Gesicht geschlagen wird, auf den Po oder auf die Hände. Es wird so oder so geschlagen. Sicherlich gibt es unterschiedliche Schweregrade, doch es gibt nicht „nur einen Klaps“. Schlagen schadet dem Kind nachhaltig, und dabei meine ich nicht „bloß“ die körperliche Verletzung. Für Kinder sind die Eltern das Wichtigste auf der Welt. Sie haben dieses unvergleichliche Urvertrauen in sie, diese unerschütterliche Liebe. Und nun kommen diese Menschen, die in den Augen der Kinder alles gut und richtig machen, und schlagen sie. Dies verletzt die Kinderseele tief und nachhaltig, es verändert die Wahrnehmung von zwischenmenschlichen Beziehungen und hat mit gleichwertigem Umgang nichts zu tun. Es verletzt die Menschenwürde der Kinder. Egal, was ein Kind getan haben mag: Es hat niemals Schläge verdient!!!Geborgenes Kind

Gewalt an Menschen hat immer Konsequenzen.

Kurzfristig schafft sie Angst, Misstrauen und Schuldgefühle, langfristig zieht sie ein geringes Selbstgefühl, Zorn und neue Gewalt nach sich. Diese Folgeerscheinungen sagen nicht unbedingt etwas darüber aus, wie oft ein Kind geschlagen wird.

Jesper Juul: Dein kompetentes Kind. 2013. S. 130.

Es gibt immer einen anderen Weg, als zu schlagen. Wenn man diesen nicht allein begehen kann, muss man sich Hilfe suchen.

Kommt es zwischen Erwachsenen und Kindern zu Gewalt, tragen stets die Erwachsenen die Verantwortung dafür.

ebd.

Falls man Unterstützung benötigt, kann man beispielsweise hier Hilfe bekommen:

Vielen Dank an Julia und Julia für die Unterstützung! :-)

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